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Norbert Niemann:
"Hinweg" (Prosa)

Eine Vergewisserung

 

IN: Antje Rávic Strubel, Michael Lentz, Thomas Hoeps, Martin Gülich (Hsg.): „Zeitzonen. Literatur in Deutschland 2004“ edition silene, Wien 2004, S.170 - 175

"Was eigentlich hatte er geglaubt, mit der Kamera eingefangen zu haben? Seine unverwechselbare Perspektive, davon war stets die Rede gewesen, der Lieblsche Standpunkt, der den Dingen ihre Wahrheit abringt, dieser Ruf eilte ihm nach bis heute. Was für eine Wahrheit? Je länger er in den Mappen blätterte, desto weniger wußte er eine Antwort. Auf den Abzügen fand er überall nur eine Dublette des Gewöhnlichen, er dachte, schal die Katastrophe, nachdem sie eingetreten ist. Welche Katastrophe?"

 

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Norbert Niemann:
"Leistungskurs Literatur" (Essay)

Ein Plädoyer für Schullesungen

 

IN: Thomas Böhm (Hsg.): "Auf kurze Distanz. Die Autorenlesung: O-Töne, Geschichten, Ideen" Tropen Verlag, Köln 2003, S. 106 - 118

"Unter Schriftstellern ist es verbreitet, sich als letzte Repräsentanten einer im Grunde bereits untergegangenen Epoche zu begreifen. Nach ihnen kommt nichts mehr, zumindest nichts, das ihrer Vorstellung von Literatur, ihrer Geschichte und Tradition, ihrer kulturellen Bedeutung undsoweiter standhält. Nach ihnen der Sumpf des Stumpfsinns. Mein Selbstverständnis war sonderbarerweise immer genau umgekehrt."

 

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Norbert Niemann:
"Ländliche Entwicklung" (Essay)

Eine Liebeserklärung an Niederbayern

 

IN: Thomas Steinfeld (Hsg.): "Deutsche Landschaften. Mit Fotografien von Therese Humboldt" S.Fischer Verlag, Frankfurt/Main 2003, S.304 - 318

"Heimat. Das Wort hat mich immer abgestoßen: Etwas, vor dem man fliehen, das man hinter sich lassen, dann vergessen muß. Ich werde diese Heimat nicht los. Sie holt mich ein, jedesmal an dieser Stelle meiner Route, und ich frage mich, was in diesem Gelände jenen Zustand heraufbeschwört, der mich zwingt, das Wort Heimat zu denken."

 

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Norbert Niemann:
"Der letzte Link"

Ein Nachwort zum posthum veröffentlichen Roman des Freundes Heiner Link

 

IN: Heiner Link: "Frl. Ursula" (Roman) Rowohlt Verlag, Reinbek 2003, S.211 - 223

"Ich weiß noch gut, wie wir am Morgen nach einem Sommerfest im ehemaligen Dorf und jetzigen Vorort Eichenau, wo Heiners Doppelhaushälfte steht, einen Biergarten besuchten. Die alte Wirtin kannte ihn noch aus seiner Kinderzeit, als er mit dem Vater Bier und Fruchtsäfte aus dem großväterlichen Betrieb ausgefahren hatte. Die Sonne schien. Wir blieben den ganze Tag unter den Kastanien. Diesen Sonntag habe ich als den schönsten gemeinsam verbrachten Tag in Erinnerung. Ob das Gelände inzwischen wie angekündigt planiert ist, weiß ich nicht."

 

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Norbert Niemann:
"Strategien der Aufmerksamkeit. Eine Umkreisung" (Essay)

Ein Nachdenken über den Terror des Marktes und die Zukunft der Literatur

 

IN: Hannes Luxbacher, Andreas R. Peternell, Werner Schandor (Hsg.): "Big Business Literatur. Reflexionen über den Marktwert der Literatur" Triton-Verlag, Wien 2002, S.19 - 32

"Zweifelsohne ist dem Diktat einer Ökonomie der Aufmerksamkeit mit den Mitteln des Skandals nicht mehr beizukommen. Im Gegenteil scheinen sich beide zu einer neuen, unheiligen Allianz zusammengeschweißt zu haben. In ihr wird das Prinzip der Attraktion erst dann endgültig auf die Spitze getrieben sein, wenn Terror und Markt in eins gefallen sind. Jede Subversivität, die der Idee des Skandals ursprünglich zugrunde lag, hat sich in Luft aufgelöst."

 

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Norbert Niemann
"Sankt Martin" (Erzählung)

Eine Geschichte vom Sterben

 

IN: Verena Auffermann (Hsg.): "Beste Deutsche Erzähler 2002" Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart, München 2002, S.14 - 41

"Seit einigen Wochen geriet Berger häufiger in eine sonderbare Zerstreutheit, ohne daß er einen Grund dafür hätte angeben können. Nicht daß er darüber wirklich beunruhigt gewesen wäre. So lange er zurückdenken konnte, neigte sein Gemüt dazu, sich den kürzer werdenden Herbsttagen anzupassen, und nachdem er sich vor vier Jahren aus der Kanzlei Krafft, Berger & Kleinschmidt zurückgezogen und sein eigenes, bescheidenes Büro eröffnet hatte, machte er bald schon mit diesen besonderen Stimmungen Bekanntschaft, die ihn zuerst bei seinen ausgedehnten Novemberwanderungen entlang des Seeufers überfielen."

 

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Norbert Niemann
"Korrekturen an der Schönen Neuen Welt" (Essay)

Eine Auseinandersetzung mit dem Roman "Elementarteilchen" von Michel Houellebecq

 

IN: Thomas Steinfeld (Hsg.): "Das Phänomen Houellebecq" DuMont Buchverlag, Köln 2001, S.82 - 90

"Um es gleich vorweg zu sagen: Wer sich auf Elementarteilchen , den erstaunlichen und gewichtigen zweiten Roman des als Skandalautor gehandelten Michel Houellebecq einläßt, muß mit einer Verstörung rechnen. Einer Verstörung, die in dem Maße zunimmt, wie die reale Entwicklung voranschreitet. Eben noch in die fiktive Utopie einer geklonten Zukunftsperspektive versetzt, hört man auch schon ihr wirkliches Echo im Jetzt."

 

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Norbert Niemann
"Teure Verständnislosigkeit. Ingeborg Bachmann und die Gegenwart" (Essay)

Eine Verdeutlichung der radikalen Poetologie der großen Dichterin

 

IN: Reinhard Baumgart, Thomas Tebbe (Hsg.): "Einsam sind alle Brücken. Autoren schreiben über Ingeborg Bachmann" Piper Verlag, München 2001, S.67 - 81

"Ingeborg Bachmann hat nie aufgehört, jene "teure Verständnislosigkeit" zu pflegen, die allein Auskunft geben kann darüber, was das ist: Realität, Ich, Wahrheit - und der wir es "letzten Endes verdanken, ich zu sein". "Es gibt in der Kunst keinen Fortschritt in der Horizontale, sondern nur das immer neue Aufreißen einer Vertikale", wie es in den "Frankfurter Vorlesungen" heißt, nur in der Literatur gelingen "Stücke der realisierten Hoffnung auf die ganze Sprache, den ganzen Ausdruck für den sich verändernden Menschen und die sich verändernde Welt". Und nur auf diesem Weg kann Dummheit umgangen und Schuld getilgt werden. Pathetisch sind nur wir."

 

 

Norbert Niemann
"Schritt für Schritt - Ein Plädoyer für die Zukunft des Theaters" (Essay)

Ein Abschied vom Monolog auf der Bühne

 

IN: Elisabeth Schweeger, Eberhard Witt (Hsg.): "Ach Deutschland" belleville Verlag Michael Farin, München 2000, S.117 - 121

"Noch herrscht es vor, dieses Allgemeinbefinden von Orientierungslosigkeit, Angst, hysterischer Klage oder Affirmation oder Ohnmacht. Es kann auch nicht einfach übergangen, gleichsam ästhetisch übersprungen werden. Doch der Blick auf diesen Zustand hat sich gewandelt. Es gibt wieder ein, wenn auch noch reichlich im dunkeln tappendes Bewußtsein und Bedürfnis, die persönliche Lage entlang der kollektiven Misere zu reflektieren und daraus Handlungsstrategien abzuleiten. Meine vorsichtige Prognose für ein kommendes Theater würde also lauten: Langsam und Schritt für Schritt wird es sich von der Dominanz des Monologischen verabschieden und zur dramatischen Darstellung politischer Subjekte zurückfinden."

 

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Norbert Niemann
"Rekonstruktion und Revolte" (Essay)

Eine Bestandsaufnahme

 

IN: Perikles Monioudis (Hsg.): "Schraffur der Welt. Junge Schriftsteller über das Schreiben" Econ Ullstein List Verlag, München 2000, S.24 - 36

"Nicht wie unsere Popsprache virtuos zu handhaben wäre, sondern was unterm Strich dabei herauskommt, wenn sie alles ist, was zum Sprechen noch benützt werden kann, darum geht es immer häufiger. Um die ganze Verlorenheit und Leere, die sich hinter der üblichen schicken Pop-Witzigkeit verbirgt. Und im selben Zug um eine ökonomische Praxis, die sich der Pop-Ästhetik bedient, um mit einem Schlag die Menschen zugleich ruhigzustellen und als Konsumenten zu binden - dieselbe Praxis übrigens, die auch den Literaturbetrieb zu erfassen sucht. Kurz: Es geht wieder mehr um soziale Realität und um die per Massenmedien installierte Schizophrenisierung der Gesellschaft. So kehrt über den Umweg des Pop die Literatur zur seit ihren bürgerlichen Anfängen angestammten Aufgabe zurück, die Oberflächen des Realen auf die verborgenen Tiefen und Untiefen hin aufzureißen."

 

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Akzente - Zeitschrift für Literatur, herausgegeben von Michael Krüger

 

weitere Informationen:
www.hanser.de

Heft 4 / August 2008: „Roman“

Hg. v. Michael Lentz, Wolfgang Matz und Norbert Niemann

 

Darin: Ingo Schulze / Norbert Niemann: Gespräch über das Romaneschreiben

 

Außerdem mit Texten und Beiträgen von Miguel de Cervantes Saavedra, Martin Mosebach, Thomas Glavinic, Hans-Ulrich Treichel, Herman Melville, Kathrin Schmidt, Thomas Hettche, Wilhelm Genazino, Milan Kundera, Gustav Flaubert

 

Heft 6 / 2006 „Heimat“
Herausgegeben von Michael Lentz, Wolfgang Matz und Norbert Niemann

Mit Beiträgen von:

Armin Senser / Leander Scholz / Noemi Kiss / Eberhard Rathgeb / Clemens Meyer / Ulrich Peltzer / Uwe Dick / Valeri Scherstjanoi / Norbert Scheuer / Arno Geiger

 

Heft 5 / Juni 2005: „Schönheit“
Herausgegeben von Michael Lentz und Norbert Niemann

Mit Beiträgen von:
Franz Mon / Lutz Seiler / Wilhelm Genazino / Uwe Dick / Ilma Rakusa / Sigrid Behrens / Kathrin Röggla / Reinhard Jirgl / Daniel Kehlmann / Ludwig Fischer / Christoph Keller u. Heinrich Kuhn / Felix Philipp Ingold

Aus dem Vorwort:
Was schön ist, das sieht man ein. Es bedarf keines Gesprächs.
O doch, gerade das bedarf des Gesprächs!
Worüber?
Daß etwas schön sei. Und daß es bemerkt worden ist. Von jedem anders.
Doch was haben wir davon?
Es hält uns über Wasser. Es hilft uns sterben.
Wenn man aber einfach Stillschweigen darüber bewahren würde?
Da ist eine Entdeckerfreude, die dich mitreißt, Mundhalten wäre Gewalt.
Und was ist mit dem stillen Genießer?
Der ist selber schön. Man sieht ihm das Schöne an, das er entdeckt hat.
Plötzlich steht Schönheit im Raum – als Begriff.
Ein Begriff, der sofort zergliedert wird.
Den niemand mehr einsieht.
Darüber sich der Mund fusselig geredet wird.
Und schon ist es zu spät.
Schönheit also ausgerechnet im Schiller-Jahr.

 

Heft 4 / August 2002: "Tradition"

Herausgegeben von Georg M. Oswald, Norbert Niemann und Wolfgang Matz

 

Mit Beiträgen von:

Helmut Krausser über geistige Vorväter

Norbert Kron über den Liebesroman

Michael Lentz über Thomas Mann

Norbert Niemann über Musil und Burgess

Georg M. Oswald über Sartres Engagement

Patrick Roth über Joyce und die Toten

Gustav Seibt über private Traditionen

Armin Senser über Robert Frost et al.

Juli Zeh über das Ich des Erzählers

 

Aus dem Vorwort:

"Die begreifliche Sehnsucht nach den Wahlverwandtschaften ist also einerseits Antidot gegen einen besinnungslosen Gegenwartswahn, andererseits Zeichen einer unabdingbaren Forderung an die ästhetische Qualität von Literatur, an die Fähigkeiten von Schriftstellern und von Lesern. Nicht zuletzt aber ist sie der Beweis dafür, daß wirkliche Gegenwartsliteratur auch die zweihundert Jahre jüngere noch etwas zu lehren vermag. Auf den Gedanken, literarische Tradition mit Hilfe eines "Kanons" herzustellen, in dem irgendwelche Autoritäten die Spreu vom Weizen trennen, kann nur eine museale Epoche kommen, in der eine lebendige, und das heißt: eine wirkende Tradition sich schon lange nicht mehr auszubilden vermag. Der Versuch, aus der Erfahrung von Schriftstellern Linien einer eigenen, produktiven Aneignung von Traditionen zu zeichnen, wird zwangsläufig unvollkommen sein. Aber es ist immerhin ein Anfang."

(Wolfgang Matz)

 

Heft 3 / Juni 2001: "Politik"

Herausgegeben von Norbert Niemann und Georg M. Oswald

 

Mit Beiträgen von:

Marcel Beyer / Andreas Neumeister / Mirko Bonné / Kathrin Röggla / Thorsten Krämer / Leander Scholz / Norbert Kron / Ingo Schramm / Michael Lentz / Lutz Seiler / Dagmar Leupold / Burkhard Spinnen / Thomas Meinecke / Birgit Vanderbeke

 

Aus dem Vorwort:

"Die politische und gesellschaftskritische Kultur bürgerlicher Prägung ist weggebrochen. An ihre Stelle ist etwas anderes getreten. Diesem anderen begegnen wir im politischen Tagesgeschäft genauso wie in der Alltagskultur oder an den Arbeitsplätzen. Es ereignet sich und ist auf der hauptsächlich marktförmigen Verlaufsoberfläche auch beschreibbar. Doch entzieht es sich, während wir es betrachten, noch weitgehend einer präziseren Benennbarkeit vor allem im Hinblick darauf, wie es die Menschen erreicht und zurichtet."

"In einem Heft der Zeitschrift ,Akzente' soll der Versuch unternommen werden, Perspektiven auf die politischen Problem- und Konfliktzonen in der gegenwärtigen Gesellschaft mosaikartig zusammenzustellen und nach dem heute noch möglichen Verhältnis von Politik und Literatur zu fragen."

(Norbert Niemann / Georg M. Oswald)

 

Heft 2 / April 1999: "Neue Zeiten! Und die Literatur? Akzente der deutschen Gegenwartsliteratur"

Herausgegeben von Norbert Niemann und Wolfgang Matz

 

Mit Beiträgen von:

Ralf Bönt / Norbert Niemann / Ulrike Draesner / Georg M. Oswald / Arno Geiger / Albert Ostermeier / Heiko Michael Hartmann / Kathrin Röggla / Annegret Held / Birgit Vanderbeke

 

Aus dem Vorwort:

"Der kulturkritische Jammerton, an dessen Berechtigung nicht der geringste Zweifel möglich ist, hat eigentlich nur einen Fehler. Er nimmt der Literatur die Möglichkeit, sich wirklich auf die Verhältnisse einzulassen. Es ist eine Sache, über die Populärkultur und alles, was mit ihr zusammenhängt, zu klagen: vor allem über den fast vollständigen Bedeutungsverlust von Literatur im öffentlichen Raum. Es ist eine andere Sache, wenn Autoren versuchen, sich ihr Bild von einer Welt zu machen, die ihrerseits häufig nur noch aus bunten Bildern, Lärm, Gerede zu bestehen scheint. Denn eine Literatur, die den Begriff Gegenwartsliteratur ernst nimmt, müßte doch zumindest den Versuch unternehmen, die Gegenwart so wahrzunehmen, wie sie ist: Geprägt von elektronischen und gedruckten Bildern, von optischer Allgegenwart der Katastrophen und Kriege, von akustischer Dauerberieselung."

(Norbert Niemann / Wolfgang Matz)

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