STUNDE ZWEIPUNKTNULL Arbeiten an unserer Zukunft – Workshops und Diskussionen

Norbert Niemann und Jörg Metelmann als Gastgeber, in Kooperation mit dem Kultusministerium des Freistaats Bayern, dem Kulturreferat der Stadt München und dem Medienpartner Bayern 2 «Nachtstudio»

BAYERISCHE AKADEMIE DER SCHÖNEN KÜNSTE/ Max-Joseph-Platz 3 / 80539 München / 20 Uhr / Workshop (mit Anmeldung; siehe Homepage) 16 Uhr / Eintritt frei

Worum es geht
Wir erleben, fast 75 Jahre nach Kriegsende, eine Stunde Zweipunktnull, in der gesellschaftlich die Weichen für die Zukunft gestellt werden, wie einst nach 1945. Wodurch diese Weichen gestellt werden, ob wir sie nicht vielleicht ganz anders stellen müssen, ist Thema der drei Veranstaltungstage.

Zu den einzelnen Abenden:
15.05.2019 – WERTE UND KAPITAL: Was (und wer) zählt wirklich?
Dem 1968 ermordeten US-Politiker Robert F. Kennedy wird das Bonmot zugeschrieben: «Das Bruttosozialprodukt misst alles mit Ausnahme der Dinge, die das Leben lebenswert machen». Es relativiert im Handstreich fast alles, was die prozentgetriebenen Wachstumsgesellschaften am Laufen hält. Geht es bei den ganzen Wirtschaftsdaten und Quartalszahlen vielleicht gar nicht (mehr) um uns? Hat sich der Wunsch, im komplett saturierten Wohlstand zu leben, verselbständigt und so den Raum für ein Leben jenseits der Ökonomisierung geschlossen? Ein Leben mit Erfahrungen des Scheiterns, Abbrechens und Anfangens, das aber gleichwohl ein gutes, gelingendes genannt werden dürfte. Weil es sich um Anliegen dreht, die wirklich zählen?

22.05.2019 – NATUR UND TECHNIK: Die Welt nach den Menschen?
Als Menschheit leben wir, so der Zeitgeist, zwischen absoluter Herrschaft («Anthropozän») und drohendem Untergang (Klimakollaps, «technologische Singularität»). In dieser Spannung arbeiten die Menschen des globalen Nordens bis zur Erschöpfung an ihrer Systemoptimierung: Sie erfinden sich stetig neu, in Projekten, auf Plattformen, mit Photoshop. Dieses Leben als ‘einzigartiges’ wird permanent getrackt und verbraucht viel Energie: Persönliche Daten füttern die Algorithmen für die Geburt künstlicher Intelligenzen, während unser Ressourcenverbrauch nicht-menschliche Arten aussterben lässt. Kreativität strebt danach, die Umwelt und sich selbst verändern zu wollen – aber um jeden Preis, mit allen Konsequenzen? Was haben wir heute für Vorstellungen davon, den Menschen als Schöpfer zu begreifen? Und welche Rolle spielen dabei die Künste, deren imaginäre Wirklichkeiten in Literatur, Film, Bildender Kunst und Musik als Wahrnehmungskorrektiv dienen und visionäre Räume eröffnen können?

05.06.2019 – MENSCHEN UND GRENZEN: Quo vadis, western world?
Bis vor kurzem – in der Moderne, seit Mitte des 19. Jahrhunderts – galt der Gegensatz von Identität und Determination als der Kernkonflikt zwischen Individuum und Gesellschaft. Fremdbestimmtheit und die Emanzipation des Einzelnen aus eben dieser Entfremdung dominierten das Nachdenken über Freiheit und Befreiung. In den Lebenswelten von heute, ihren schicht- und schollenförmig ineinandergeschobenen, sich überlagernden, teils auseinanderdriftenden, teils kollidierenden Realitäten, sind hingegen Fremdsein und Nicht-Identität der Normalfall. Nicht Entfremdung scheint die Drohung der Gegenwart, sondern Erstarrung des Ichs, mangelnde Flexibilität. Wer ihr erliegt, wird ausgeschlossen, unsichtbar. „Ich bin nicht dieses Paket aus flexiblen, austauschbaren oder einander ablösenden Ichs“ könnte Max Frischs berühmter «Stiller»-Roman im Jahr 2019 beginnen. Was ist er, was ist sie aber dann? Euro-Skeptikerin? Merkel-Kritiker? Eremit? Bio-Bäuerin?

Weitere Informationen unter www.stundezweipunktnull.de / www.badsk.de